SOLASTALGIE – Waldbaden mit Plastikdelfin
Ausstellung
Was geschieht mit uns, wenn sich die Orte verändern, an denen wir leben oder die uns besonders wichtig sind? Wenn Wälder verschwinden, Küsten erodieren oder vertraute Landschaften plötzlich fremd wirken? Für dieses Gefühl gibt es einen Begriff: Solastalgie. Er beschreibt Trauer, Sehnsucht und emotionalen Schmerz, die wir als Reaktion auf unsere veränderte Umwelt empfinden können.
Wir befinden uns in einer Region, die von den Folgen des Klimawandels besonders betroffen ist und künftig noch stärker betroffen sein wird. Die Kunstwerke laden dazu ein, sich mit der Frage zu beschäftigen, wie wir mit Verlust, Wandel und Unsicherheit umgehen.
Die Ausstellung »SOLASTALGIE. Waldbaden mit Plastikdelfin« nähert sich diesem komplexen Gefühl aus unterschiedlichen Perspektiven. Statt in Ohnmacht zu verfallen, setzt sie auf die Kraft der Vorstellung: auf das Erfinden neuer Bilder und Welten, auf genaues Hinsehen und Nachdenken – und nicht zuletzt auf eine Prise Humor. Gezeigt werden Arbeiten von Sophia Süßmilch, Jenny Schäfer und Jessica Arseneau. Eine Hörstation im Eingangsbereich sowie eine Veranstaltung im Rahmenprogramm erweitern die Ausstellung um Beiträge des Autors Jürgen Nendza. Kuratiert wurde die Ausstellung von Lorenza Kaib, Stipendiatin für Kuratieren 2026 im Künstlerhaus Lukas.
Wie wir fühlen, denken und auf Veränderungen reagieren, beschäftigt die Kunst seit Jahrhunderten. Neu hinzugekommen sind der Klimawandel und die mit ihm verbundenen ökologischen Krisen. Wie wirken sich diese auf unser (Er)Leben aus? Welche Spuren hinterlassen sie in unserem Denken, unseren Beziehungen und unserer Vorstellung von der Zukunft? Die Ausstellung richtet ihre Aufmerksamkeit auf unterschiedliche Strategien im Umgang mit den Belastungen einer sich wandelnden Welt: auf Rückzug und Fürsorge, auf Fantasie und Anpassung, auf neue Formen des Zusammenlebens und der Wahrnehmung. Diesen Fragen und möglichen Antworten spürt »SOLASTALGIE. Waldbaden mit Plastikdelfin« nach.
Jenny Schäfer arbeitet mit Text, Fotografie und (gefundenen) Objekten. Daraus resultieren Künstlerinnenbücher und installative Arrangements im Rahmen von Ausstellungen. Gesellschaftskritisch – aber vor allem mit Lust am Schauen – erweitern ihre Arbeiten unsere Wahrnehmung. Dabei scheut sich Schäfer nicht, „Kitsch“ miteinzubeziehen.
Sophia Süßmilch ist Performancekünstlerin, die in ihrer multimedialen Arbeitsweise zum Pinsel wie auch zur Kamera greift. Der weibliche Körper – oftmals ihr eigener – und Arten der Auflehnung gegen Normierungen sowie gesellschaftliche Zwänge sind zentrale Themen in Süßmilchs Werken.
Für Jessica Arseneau sind Zeitlichkeit, Schlaf und Traum zentrale Themen. Ihre Arbeiten führen in Zwischenwelten, in denen sich Realität und Imagination, Wachsein und Träumen begegnen. Mit Video und Installationen erforscht sie, wie wir Zeit wahrnehmen und wie unser Erleben von einer Welt geprägt wird, die kaum noch zur Ruhe kommt.
Zur Ausstellung ist eine Begleitpublikation erschienen.
Begleitprogramm
06. Juni 2026, 17 Uhr
Vernissage mit Künstlerinnengespräch
Lorenza Kaib, Kuratorin der Ausstellung, führt in die Thematik „Solastalgie“ ein und beleuchtet im Gespräch mit den anwesenden Künstlerinnen einzelne Aspekte der gezeigten Werke. Das Publikum ist dazu eingeladen, Fragen zu stellen.
12. Juni 2026, 20 Uhr
Kuratorische Abendführung
Lorenza Kaib, Kuratorin der Ausstellung, führt in die Thematik „Solastalgie“ ein und beleuchtet einzelne Aspekte der gezeigten Werke. Das Publikum ist dazu eingeladen, Fragen zu stellen und gemeinsam über Zukunftsängste, positive Vorstellungen und den Klimawandel zu sprechen.
03. Juli 2026, 11 Uhr
Familienführung in einfacher Sprache
Was verändert sich um uns herum? Wie geht es uns damit? Kann Kunst uns neue Ideen geben, wie wir mit der Zukunft umgehen? Mit diesen und weiteren Fragen nähern sich die Teilnehmenden gemeinsam mit Olivia Franke, künstlerische Leitung des Kunsthaus Lukas und Neuen Kunsthaus Ahrenshoop, an.
05. Juli 2026, 15 Uhr
Resilient in der Krise: Offener Workshop mit Psychologists for Future
Der von Sarah Stapel durchgeführte Workshop bietet eine Mischung aus wissenschaftlichen Impulsen, Raum für Erfahrungsaustausch und praktischen Übungen. Dabei geht es nicht nur um individuelles Wohlbefinden, sondern auch um die Rolle der psychischen Gesundheit in einem kollektiven gesellschaftlichen Wandel. Dabei können folgende Fragen leitend sein: Wie wirkt sich die Klimakrise auf unsere psychische Gesundheit aus? Was ist Klimaangst – und wie können wir ihr begegnen? Wie können wir konstruktiv mit Ohnmachtsgefühlen umgehen und Resilienz entwickeln? Was brauchen wir, um zwischen Selbstfürsorge und Engagement in Balance zu bleiben?
25. Juli 2026, 17 Uhr
Gemeinsam (Luft-)Wurzeln schlagen: Performativer Lyrik-Spaziergang mit Jürgen Nendza
In einer Mischung aus Spaziergang, Lesung von Gedichten und Lauschen der vertonten Klangskulpturen findet das Publikum neue Zugänge zur unmittelbaren Umgebung wie auch zur Natur an sich – und möglicherweise auch in sich selbst. Moderiert wird die Veranstaltung von der Literaturwissenschaftlerin Cornelia Jentzsch.
26. August 2026, 11 Uhr
Direkt vor unserer Nase. Natur unmittelbar erfahren
Gemeinsam mit Lutz Storm, Ranger des Nationalparks, wird die Boddenlandschaft um das Neue Kunsthaus Ahrenshoop unter die Lupe genommen. Welche Tiere, welche Pflanzen können wir dabei entdecken? Was hat sich durch den Klimawandel bereits verändert? Wieso ist die Boddenlandschaft so schützenswert? Was macht sie besonders?
30. August 2026, 11 Uhr
Finissage mit Kurzführung und Sturmgespräch: SOLASTALGIE – Wenn die Welt uns fremd wird
In dem etablierten offenen Gesprächsformat wird der Begriff „Solastalgie“ als Ausgangspunkt für einen persönlichen Austausch genommen. Wie leben wir in einer sich durch den Klimawandel stetig verändernden Welt? Wie kann man mit dem Verlust von Landschaft und der ökologischen Angst umgehen? Was macht das alles mit unserem Gefühl von Heimat? Und (wo) hat Kunst in dieser neuen Welt noch Platz?